Donnerstag, 30. März 2017

Sandwüste und Straße der Kasbahs

 

Mein letzter Bericht ist schon ein paar Tage alt. Leider hatte ich an den Folgetagen nur einmal ordentliche Internetverbindung. An einigen Stellen gab es nicht einmal Strom. Auch hier in Adgz ist das Internet flächendeckend gestört.


Am Freitag, den 24.3. sind wir Richtung Icht gestartet bei km 51985. Auf dem von Franzosen geführtem Campingplatz gibt es zum erstem Mal Wein im Angebot: marokkanischer Rose zu einem ausgezeichneten Essen. Am Samstagmorgen haben wir eine interessante  Führung durch die Altstadt gehabt. Zwei Stunden an Einblick in das Leben der Wüstenbewohner vor wenigen Jahrzehnten und heute. Der Unterschied scheint groß, die Armut ist aber relativ gleich geblieben. Die Leute hier betreiben Landwirtschaft zur Selbstversorgung, Arbeitplätze gibt es so gut wie keine. Die Wohnkultur fast ohne Möbel unterscheidet sich von der unsrigen gewaltig.

Wir kamen nach der Führung erst später auf die Straße Richtung Tata. Dort blieben wir auf einem schönen Platz am Fluss (eher Bach) Samstag und Sonntag und haben ausgeruht. Es war sehr warm. 

 






Hier kann bald geerntet werden

Am folgenden Montag, den 27.3. sind wir dann in Richtung  Foum Zgoid gestartet. Der direkte Weg ist wegen zu hohen Sandes für normale Autos nicht zu befahren, man muss einen Umweg (100km) nehmen. Durch einen Fehler meiner Navigatorin sind wir dabei auf eine falsche Straße geraten. Nach einem langen Kampf mit dem Navigationsgerät und vielen falschen Beschuldigungen desselben sind wir auf dieser Straße geblieben. Dies bescherte mir eine wunderbare, atemberaubende Passfahrt über einen sehr steilen Pass, den Eva sonst niemals mitgemacht hätte. In Talouine haben wir übernachtet, um dann am nächsten Tag mit 200 km Umweg unser eigentliches Ziel "Foum Zgoid" zu erreichen. 



Die machen keinen Urlaub, die wohnen da im Zelt nahe ihren Ziegen
Viehfutter wird manchmal von weit her geholt

Auf knapp 1700 Metern nach zahreichen Schreikrämpfen von Eva doch überlebt. Nicht nur das Auto schwitzt.

Von dem Staub, der durch alle Ritzen dringt, werden wir noch lange was haben.#





Grundstücke sollen hier sehr preiswert sein


Nachdem wir schon mal so weit ins Nirgendwo vorgedrungen sind, wollen wir jetzt auch mal in die "richtige" Wüste, da wo gut 100 km hinter Zagora die Straßen aufhören. Die Straße dorthin ist absolut neu und führt über 100 km durch eine menschenleere Steinwüste. Hier gibt es nicht einmal mehr die sonst allgegenwärtigen Ziegen oder Kamele, es gibt nichts Grünes hier. Am absoluten Ende der Straße übernachten wir auf einem Hügel mit Rundumblick in die Sandwüste.


Das Gute ist, dass man den Gegenverkehr schon 10 Minuten vorher kommen sieht.


Dieser Ort ist eines der vielen trostlosen Enden der Welt. Der Campingplatz, den ich ausgesucht habe, war klein, unruhig und schmutzig, also autentisch. Wenigstens nah an der "Innenstadt".  Wir trauen uns nicht, hier Fleisch für uns zu kaufen, nur der Hund wird wie immer bevorzugt und bekommt reichlich gekochtes Rindfleisch, was allerdings etwas riecht.

Die Innenstadt, Hier ein Fachgeschäft für Haushaltswaren






Nur Berry hat aus dieser Metzgerei Fleisch gegessen



Am Donnerstagmorgen haben wir diesen schönen, aber völlig schattenlosen Ort bei km 52915 verlassen, Zagora nur durchfahren. Wir sind bis zum Rand der Sandwüste gefahren, bis dahin, wo alle Straßen aufhören.

 
Die folgenden Fotos liefern einen Rundumblick von unserem Platz aus

Man kann kilometerweit ins Nichts sehen




Nach diesem Ort gehts nur noch per Allrad weiter



Weil die Luft voller Sand ist, verfärbt sich die Sonne beim Untergehen gelblich




Ab Donnerstag, den 30.3. geht es wieder nach Norden in Richtung Zivilisation. Ich schreibe meinen Bericht in Adgz, etwa 100 km südlich Quarzazate. Das Internet wird erst nördlich Quarzazate besser, dort habe ich die Fotos nachträglich eingefügt. Die Gräben für das Glasfaserkabel sind neben der Straße bereits ausgehoben, aber noch läuft das Internet über Funk.

Wir werden einen Tag ruhen und dann über den Tizi n Tichka von Süden her über den Atlas Richtung Marrakech fahren. Auf diesem Pass bin ich bei meiner ersten Marokkoreise 1974 Anfang April eingeschneit und musste einen Tag auf Tauwetter warten. Aber das erzähl ich Eva nicht.